Zwei Frauen dominieren alle anderen

Die neuen Kandidatinnen und Kandidaten für den Zürcher Regierungsrat haben alle das gleiche Ziel: Möglichst schnell möglichst bekannt zu werden. Wir zeigen, wer im Internet am meisten Interesse auslöst.

Quelle: tagesanzeiger.ch | Autor: Martin Sturzenegger, Marius Huber

 

Fragen Sie sich selbst: Zu wie vielen der folgenden sechs Namen fällt Ihnen spontan etwas Substanzielles ein? Jacqueline Fehr, Carmen Walker Späh oder Silvia Steiner? Markus Bischoff, Marcel Lenggenhager oder Nik Gugger? Ab dem 12. April wird sich der Bekanntheitsgrad von mindestens zweien von ihnen schlagartig ändern, weil sie neu Mitglieder der Zürcher Kantonsregierung sind.

Das Problem ist, dass die Kandidatinnen und Kandidaten schon vorher bekannt sein müssten, wenn sie die Wahl schaffen wollen. Das gilt ganz besonders für diejenigen, die keine wählerstarke Partei im Rücken haben und nicht damit rechnen können, quasi im Schlafwagen in den Regierungsrat einzuziehen. Deshalb wartet vor der Kür viel Knochenarbeit auf sie: Interviews geben, sich auf Diskussionspodien beweisen, auf der Strasse Flyer verteilen, ausgedehnte Veranstaltungen mit der Parteibasis abhalten. Sichtbar werden um jeden Preis lautet die Devise.

Bei Google erzielt Steiner plötzlich Rekordwerte

Manchmal bekommen die Politiker dabei unerwartete Hilfe: Die CVP-Kandidatin Silvia Steiner zieht seit dieser Woche plötzlich viel Aufmerksamkeit auf sich – nicht wegen eines raffinierten Wahlkampfs, sondern weil die 57-Jährige mit einem Flugblatt diskreditiert wurde. Laut Politberater Louis Perron verfehlten die Verfasser ihr Ziel. Die Aktion helfe Steiner vielmehr, ihre grösste Schwäche zu neutralisieren – die relative Unbekanntheit. «Das Flugblatt brachte sie über Nacht ins Rampenlicht.» (zum Interview)

Eine Internetauswertung bestätigt Perrons Behauptung: Auf der Suchmaschine Google war in den letzten zwei Jahren keiner der neuen Regierungsratskandidaten jemals auch nur annähernd so gefragt wie Steiner in den Tagen nach Bekanntwerden des Verunglimpfungsversuchs.

Einzig SP-Kandidatin Jacqueline Fehr kann einigermassen mithalten. Auch sie nicht zuletzt dank ambivalenter Schlagzeilen, wie eine Analyse im Tagesverlauf zeigt. Zudem ist sie als Einzige einem grösseren Publikum bekannt, seit sie 2010 erfolglos zur Bundesratswahl antrat und nach einem dramatischen Finale viel Medienpräsenz erhielt. Damals erzielte sie bei Google Spitzenwerte, die seither weder sie selbst noch ihre Konkurrenz wieder erreichte.

Von den anderen Kandidaten verzeichnete in den letzten Monaten nur der AL-Kandidat Markus Bischoff genug Suchanfragen, um überhaupt in der Statistik zu erscheinen. Die übrigen drei – darunter auch FDP-Kandidatin Carmen Walker Späh – stiessen auf zu wenig Interesse.

Auf Wikipedia sieht es ähnlich aus

Ein ähnliches Bild ergibt auch die Zahl der Zugriffe auf die Einträge zu den Kandidatinnen und Kandidaten in der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Fehr und Steiner dominieren. Allerdings dürfte hierbei eine Rolle spielen, dass Steiners Eintrag wegen manipulativer Änderungsversuche zum Politikum wurde. BDP-Kandidat Marcel Lenggenhager hat als Einziger keinen Eintrag und taucht deshalb in der Erhebung nicht auf.

Bei Twitter mischt auch Gugger mit

Etwas anders präsentiert sich die Statistik der Erwähnungen auf Twitter. Hier schwingen jene obenaus, die einen Account haben und selber regelmässig Kurznachrichten versenden. Das tut neben Fehr und Steiner auch der EVP-Kandidat Nik Gugger. Diese drei generieren damit offenbar mehr Interesse als andere.

Unter dem Strich dominieren Fehr und Steiner im Internet eindeutig den Rest des Feldes – Letztere vor allem dank der jüngsten Attacken gegen ihre Person. Carmen Walker Späh hingegen, die in der Wahlbörse von Tagesanzeiger.ch/Newsnet als so gut wie gewählt gehandelt wird, interessiert kaum jemanden. Link